jawohl, dies ist meine montagsdemo. wogegen? gegen die anderen montagsdemos. und zwar nicht allein aus dem „dagegen”-prinzip heraus, sondern weil sie mich wirklich annerven.
erst haben alle nach reformen geschrieen, jetzt kommen diese endlich mal so langsam in fahrt – und da ist es den deutschen sesselpupsern auch wieder nicht recht? ach ja, richtig – wie schlimm Hartz IV werden wird, hatte ich ja fast vergessen.
gestern abend bei sabine christiansen war diese furchtbare reform auch thema, und ich hab's zufällig gesehen, obwohl ich mir die frau und ihre sendung ansonsten eigentlich aus gutem grund nicht antue. und da saßen der clement und der merz, und waren sich größtenteils sogar einig über die notwendigkeit und auch über die ausgestaltung dieser reform. potzblitz! vom merz war ich bisher eigentlich nur verbale tiefschläge in richtung regierung und bundeskanzler gewohnt, wie sie bei seiner parteigenossin merkel eigentlich an der tagesordnung sind. sorry, aber außer dem kanzler „unfähigkeit” vorzuwerfen scheint die frau wohl absolut gar nichts drauf zu haben. wann immer ich die in den nachrichten sehe, kommen in ihrem gebrabbel die worte „unfähigkeit” und „bundeskanzler” in kombination vor. das muss bei der wohl ein pawlowscher reflex sein, der immer auslöst, sobald sich eine fernsehkamera in ihre richtung dreht. aber ich schweife ab, zurück zum thema … dritter politiker neben clement und merz war ein hampelmann der PDS, der sich polemik der extraklasse auf die fahnen geschrieben hatte. also, bisher waren mir diese linken socken ja eigentlich immer recht sympathisch (tja, kannte sie wohl zu wenig) – aber was der mann an unsinn verzapft hat, ging auf keine kuhhaut mehr. aber er hat von den anderen gästen und dem publikum auch deutlich zu spüren gekriegt, wie ernst man ihn nimmt.
um das ganze abzurunden dann noch ein paar leute „aus dem volk” im publikum, denen man gelegenheit bieten wollte, ihrem ärger mal direkt ins gesicht besagter politiker luft zu machen, die aber teilweise viel zu nervös waren, um überhaupt klare sätze zu formulieren. richtig dufte fand ich ja den arbeitslosen „akademiker” aus münchen. zuerst wollte er sich zur „zumutbarkeit” von jobs für arbeitslose äußern, aber dann fiel ihm wohl doch auf, dass er sich damit zur sehr auf's glatteis begeben würde, man könnte sich ja am ende doch als fauler sack herausstellen, der sich für viele alltägliche arbeiten „zu fein” ist. also schoss er sich dann lieber auf die „fallabhängigkeit” ein, unter der die vermittler der arbeitsagenturen sich künftig den belangen der arbeitssuchenden widmen sollen, und versuchte diese eher in richtung „willkür” umzudeuten. nicht so schnell, mein herr, kommen wir doch noch mal auf die zumutbarkeit zurück. was stört unseren herrn akademiker denn so sehr daran? solche angst vor der aussicht, in zukunft vielleicht auch mal mit einem job die brötchen zu verdienen, der nicht ganz ihrem „studierten” niveau entsprechen könnte? ja, solche gestalten sind mir echt die liebsten. als student sicher fleißig in das „bildung muss frei für jedermann sein, und die wirtschaft braucht akademiker”-horn gestossen, wie all die anderen, die sich heute gegen studiengebühren zur wehr zu setzen versuchen. dabei dann das studium vermutlich schön auf kosten des steuerzahlers vorfinanzieren lassen, nach dem motto „der akademiker verdient ja nachher besser und gibt dann durch höhere steuereinnahmen der sozialgemeinschaft wieder etwas zurück”. jetzt aber doch langsam festgestellt, dass die wirtschaft akademiker mit überzogenen gehaltsvorstellungen wohl doch nicht so sehr braucht, wie erhofft – und nun nicht mal zumutbare jobs annehmen wollen, lieber aus der staatskasse leben und gar nichts zurückgeben, weil „niedere arbeiten” für den herrn akademiker ja nicht zumutbar sind? oh, du schöne arroganz der „bildungselite” …
lange rede, kurzer sinn: mir scheint diese reform ein guter weg zu sein, mal die faule spreu von dem weizen zu trennen, der wirklich daran interessiert ist, sich seinen lebensunterhalt selber zu bestreiten. mag ja sein, dass die fragebögen einiges an informationen zu den persönlichen und familiären vermögensverhältnissen fordern – aber anders scheint's ja kaum noch möglich zu sein, die wirklich bedürftigen von den schnorrern zu trennen. und „kompliziert” sind sie, die fragebögen? ach gott, wie furchtbar. muss man sich damit eventuell länger als eine viertelstunde auseinandersetzen, und kann nicht so lange wie sonst in der sonne liegen? nimmt ja tragische ausmaße an, das ganze … wie kann es einem der staat bloß so schwer machen wollen, ihm kohle aus dem kreuz zu leiern.
ja, ich bin für Hartz IV. und jetzt geh ich mir erstmal'n schild für meine demonstration malen.